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7 Gründe, wieso sich Bibliothekare in die digitale Welt begeben sollten

Photo by Lukas Blazek on Unsplash
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Marc Zuckerberg hat für sein Unternehmen Facebook 2015 einen Nutzerrekord von 1,49 Mrd. Nutzern an einem Tag verbuchen können. Damit hat, relativ gesehen, jeder siebte Mensch das weltweit größte Netzwerk an diesem Tag genutzt. Zahlen, von denen örtliche Bibliotheken nur träumen können. Selbst jeden siebten Menschen im Einzugsgebiet der örtlichen Bibliothek für die Angebote begeistern zu können scheint oft unmöglich. Ich frage mich, ob da nicht noch viel mehr Potential hinter steckt.

In meiner Freizeit und in Gesprächen mit Bekannten erlebe ich oft folgende Situation: wenn ich jemandem gesagt habe, dass ich in einer Bibliothek arbeite, waren drei Antworten möglich.

  • „Das ist ja toll! Ich lese ja auch gerne!“

  • „Bibliothek? Ist das nicht langweilig?“

  • „Wir haben eine Bibliothek?“

Alle drei Antworten lassen darauf schließen, dass Bibliotheken heutzutage noch immer mit einigen Vorurteilen, Desinteresse und fehlenden Informationen zu kämpfen haben. Daher ist es notwendig, sich dieser Probleme bewusst zu werden, um sie zu bekämpfen. Ein Weg, der von vielen Bibliotheken leider ungenutzt ist oder laienhaft betrieben wird, ist ein digitaler Auftritt. Dabei gibt es viele Gründe, die für eine digitale Präsenz von Bibliotheken sprechen:

1. Leser abholen

Natürlich ist es möglich, als Bibliothek nicht von Bewährtem abzuweichen, und Veröffentlichungen nur an die örtliche Presse zu geben und vielleicht noch mit Postern an ausgewählten Orten zu werben. Wer Wert auf ein ausgesuchtes Publikum legt und dieses auch nicht überschreiten möchte, kann das gerne weiter so machen. Allen anderen rate ich dazu, sich zu fragen, wo sich die potentiellen Leser eigentlich aufhalten. Jetzt kann man natürlich zu jeden Sportplatz, in jedes Restaurant, Kino, Theater, jede Bar und natürlich jede Privatwohnung gehen und persönlich Werbung machen. Oder: man geht ins Internet. Laut Statistik belief sich der Anteil der Internetnutzer in Deutschland im Jahr 2014 auf 76,8 Prozent. Dabei gehören rund 48 Prozent der Generation 60+ zu den Internetnutzern, bei den 18- bis 24-jährgen liegt der Wert sogar bei 99 Prozent. Auch die Zahlen der mobilen Internetnutzer wachsen stetig. Daher gilt: man sollte die Menschen dort auf sich aufmerksam machen , wo sie sich befinden: auf Websites, Blogs, in Foren und Sozialen Netzwerken. (Quelle: statista.com)

2. Imagewandel

In vielen Köpfen herrscht immer noch das Bild der mürrischen Bibliothekarin mit Dutt, Faltenrock und Brille, die bei jedem kleinen zu hörenden Husten zur Furie wird, ihre Zähne fletscht, den Zeigefinger vertikal zu den Lippen hält, und ein gedrungenes „Schhhhhht!“ ausstößt. Dabei kann es vorkommen, das Staub von den Büchern aufgewirbelt wird, die sowieso niemand lesen möchte, weil diese so alt sind.

Dass diese Vorstellung nicht der Wahrheit entspricht, wissen wir. Und die Menschen, die die Bibliothek nutzen, wissen es auch. Doch was ist mit denen, die bisher keinen Bezug zur Bibliothek hatten? Dort gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten. Man kann vor allem die Sozialen Netzwerke nutzen, um sich von der Seite zu zeigen, die der Bibliothek und auch den Mitarbeitern gerecht wird. Witzige Späße unter Kollegen, Blicke hinter die Kulissen, eine ansprechende Vorstellung des Bestands: das alles und viel mehr kann mit Fotos und Videos viel besser gezeigt werden als mit einem Flyer. Wenn es gut verpackt ist, erreicht man damit auch die bisherigen Bibliotheksverweigerer.

3. Informiert sein

Nur weil jemand selbst nicht im Internet aktiv ist, heißt es nicht, dass dort niemand über ihn spricht. Für jede Einrichtung ist es daher wichtig, zumindest darüber informiert zu sein, was erzählt wird. Handelt es sich vorwiegend um Lob oder Kritik? Kann man möglicherweise bei einem Problem behilflich sein? Oftmals ist es doch so, dass bei Problemen zuerst in diversen Foren gefragt wird, bevor man jemanden direkt kontaktiert. Oder es werden durch die Presse Texte veröffentlicht, die einen betreffen. Gerade als öffentliche Einrichtung sollte man zuerst darüber informiert sein, was um einen herum geschieht. Also: ruhig mal die Bibliothek googeln, in Foren umsehen, vielleicht auch in diversen Gruppen angemeldet sein. Wie ist das Bild nach außen? Anschließend kann man auch Google Alerts einrichten, um über Veröffentlichungen, die die Bibliothek betreffen, automatisch informiert zu werden.

4. Kostengünstige Werbung

Durch digitale Präsenzen ist kostengünstige Werbung möglich. Natürlich kostet die Einrichtung einer Fanpage oder eines Blogs Arbeitskraft und damit Geld. Aber wenn man einmal dagegen rechnet, wie viel eine ähnlich angelegte, in Auftrag gegebene Printkampagne kosten würde, sieht man den Unterschied. Im Web ist es möglich, dieselbe Reichweite gezielter und mit weniger Einsatz zu erreichen.

5. Austausch mit Kollegen

Wer im Team vor einem Problem steht, oder Anregungen sucht, sollte den Austausch mit Kollegen nicht scheuen. Die Schwarmintelligenz zu nutzen und in einer Gruppe Gleichgesinnte zu fragen hat auch mir schon das ein oder andere mal geholfen. In Facebookgruppen wie Biblioadmin, Bibliothekare, FAMIS, Archivare und Dokumentare oder games4culture ist man gut aufgehoben, kann Kontakte knüpfen und auch selbst anderen schnell und problemlos helfen. Und auch privat können diese Kontakte hilfreich sein. So wie die Gruppe einiger französischer Bibliothekare, die untereinander ihre Wohnungen/Häuser für die Zeit ihres Urlaubs tauschen (Echange de maison entre bibs). Auch deutsche Kollegen sind dort Willkommen.

6. Professionell und schnell

Die Kunden sind es gewohnt, Informationen schnell und einfach mit einem Klick aufrufen zu können. Wer dieses nicht zur Verfügung stellt, nimmt sich selbst aus dem Rennen. Öffnungszeiten, Standort und Angebot sollten schnell online zu finden sein. Damit ist die erste Barriere auf dem Weg zu einer Bibliotheksanmeldung überwunden, indem der Nutzer sich einfach die Informationen holen kann, die er für seine Entscheidung braucht. Zudem kann man sich dabei als Profi durch entsprechende Artikel etablieren. Bei Themen wie E-Reader, Buchempfehlungen und richtigem Recherchieren ist man in Bibliotheken am besten aufgehoben. Das sollte nach außen hin publiziert werden.

7. Nutzer kennenlernen

Anhand von Likes und Kommentaren kann man oft ablesen, was die Menschen besonders gut finden. Werden diese Informationen in die bestehende Arbeit integriert, kann die Bibliothek einen Nutzen daraus ziehen. Wenn den Kunden anschließend ein entsprechendes Feedback gegeben wird, macht es die Bibliothek noch sympathischer. Ein einfacher und unkomplizierter Weg mit der Einrichtung in Kontakt treten zu können, wirkt nach außen hin offen und modern und verbessert die Kundenbindung. Dabei gilt: Dialog statt Monolog.

Fazit

Nun haben wir also einige Gründe gesammelt, weshalb eine Bibliothek den Sprung ins Netz wagen sollte. Auf einige werde ich in nächster Zeit noch genauer eingehen. Bevor Du nun überstürzt und voller Elan einen Facebook-Account anlegst, die Bibliothek bei Wordpress registrierst, schon mal Fotos für Pinterest schießt, und Dir gleichzeitig einen Namen für Twitter überlegst, solltest Du wissen, dass eine gute Online Marketing Aktivität auch eine strukturierte Grundlage benötigt. Wie die aussehen kann und wieso ohne sie eigentlich jede weitere Aktion sinnlos ist, erkläre ich in einem weiteren Beitrag. Bis dahin: sieh Dir privat die genannten Gruppen an und vernetzt euch untereinander! Es gibt nichts motivierenderes als den Austausch mit Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen und einfach Freude an dem haben, was sie tun. Gerne kannst Du dazu auch die Kommentarfunktion unter diesem Artikel nutzen. Ich würde mich freuen!

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Wer schreibt?

Daniela.

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