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Online Marketing in Bibliotheken – Hype oder notwendige Veränderung?

Photo by Jesus Kiteque on Unsplash
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Mit hoher Geschwindigkeit treten immer neue Trends auf – ein Hype jagt den nächsten. Dieses Phänomen kannst Du privat, aber auch beruflich entdecken, denn auch in Bibliotheken gibt es immer wieder neue Themen, die in die Arbeit einfließen. Gamification, Maker-Spaces und Actionbound sind nur drei Beispiele dafür. Einige Themen kommen um zu bleiben, andere verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder. Es ist also wichtig, dass Du erkennst, worauf Du Dich langfristig konzentrieren solltest.

Wie sieht es mit dem großen Thema Online Marketing aus? Solltest Du es in den Alltag der Bibliothek integrieren oder ist es okay, solche Maßnahmen zu vernachlässigen? Da ich einen ganzen Blog dazu für Bibliotheken betreibe, kannst Du Dir mein Fazit sicher denken (Spoileralarm!). Trotzdem möchte ich es Dir gerne in diesem Artikel erläutern.

Was ist Online Marketing?

Online Marketing ist im Grunde jede Aktivität eines Unternehmens oder einer Organisation im Internet. Ziel dieser Aktivitäten ist, sichtbar und auffindbar als Unternehmen und mit den Angeboten zu sein, eine Reichweite zu erzielen und die Unternehmensziele mit diesen Maßnahmen zu unterstützen. Je nachdem, wie die Ziele aussehen, können auch die Maßnahmen dafür unterschiedlich sein. Und genau hier liegt auch oft ein Problem: in den letzten Jahren sind die Möglichkeiten im Online Marketing rasant angestiegen. Je mehr Möglichkeiten es aber gibt, umso schwerer ist es für Einsteiger zu definieren, welche Maßnahmen für das eigene Unternehmen wirklich sinnvoll sind. Ich stelle Dir daher einige vor, die oftmals das Grundgerüst einer jeden Online Marketing Strategie darstellen. Diese eignen sich auch für Bibliotheken.

 

Beachte dabei, dass Online Marketing lediglich einen Teil eines umfassenden Marketing Mix darstellt. Im Umkehrschluss bedeutet es: wenn Du keine Gesamtstrategie für das Marketing hast, solltest Du Dir zunächst darüber Gedanken machen, statt Dich sofort auf das Thema Online Marketing zu fokussieren.

Bibliotheken sollten stärker werben

Das Ziel der meisten Bibliotheken ist es, mehr Nutzer zu bekommen oder mehr Ausleihen zum Jahresende zu verzeichnen. Am besten natürlich beides. Denn an diesen Zahlen sind oft auch die Gelder für die Bibliotheken im kommenden Jahr gekoppelt. Doch wie versuchen Bibliotheken konkret, diese Ziele zu erreichen? Es gibt einige, die ihr Angebot immer wieder erweitern. Sei es um neue Medien in anderen Sprachen, eBooks, Veranstaltungen oder Workshops. Doch ich frage Dich: reicht das? Wie erfahren die Menschen von den Angeboten? Meiner Erfahrung nach werden die Angebote der Bibliotheken oft unzureichend nach außen kommuniziert. Pressemitteilungen und Mundpropaganda sind wichtig, aber keine ausreichenden Maßnahmen, um ein Angebot übergreifend bekannt zu machen.

 

In der Dissertation von Ulrike Koop mit dem Titel „Wertzumessung für Öffenliche Bibliotheken: Einwohner und Politiker monetarisieren den Wert der Stadtbibliothek Melle" wird diese Vermutung zusätzlich bestätigt. Sie schreibt: "(...)dass Öffentliche Bibliotheken an sich und ihre Hauptaufgaben scheinbar bekannt sind. Das tatsächliche Ausmaß der Aktivitäten und der langfristigen Nutzung der Dienstleistungen sind hingegen wenig bewusst(...)."

 

Wenn der potentielle Nutzer also nichts von den Dienstleistungen weiß, hat er keinen Anlass, die Bibliothek zu betreten. Es geht also vermehrt darum, überhaupt die Menschen zu erreichen und sie über das Angebot zu informieren. Online Marketing stellt dabei eine gute Maßnahme dar, bei der gezielt und verhältnismäßig günstig die Menschen angesprochen werden können, ohne hohe Streuverluste zu verbuchen, wie es bei Printwerbung oft der Fall ist.

 

Es ist bekannt, dass ein Mensch etwa sieben Kontaktpunkte zu einem Unternehmen, einem Produkt oder einer Dienstleistung benötigt, bevor er Kunde wird. Kommt Dir das vielleicht bekannt vor? Du siehst eine Anzeige auf Facebook, am nächsten Tag wird Dir bei Google eine weitere Anzeige angezeigt. Du trägst Dich für den Newsletter ein, likest die Fanpage und irgendwann nimmst Du das Angebot in Anspruch. Dadurch, dass Du mit dem Angebot immer wieder in Berührung kamst, hast Du eine Bindung dazu hergestellt. Bei richtiger Umsetzung wird so Vertrauen aufgebaut. Es gibt keinen Grund der dafür spricht, dass dieses Vorgehen nicht auch für Bibliotheken funktioniert. Ich meine damit nicht, dass Du nun anfangen sollst, Anzeigen zu schalten. Aber sorge für mehr Touchpoints (Berührungspunkte), an denen potentielle Nutzer mit der Bibliothek in Berührung kommen und letztlich ihren Angeboten. Denn nur so können diese Menschen auch zu Nutzern werden!

Vom Suchen und sich finden lassen

Allein Google hat 2016 bekannt gegeben, mehr als zwei Billionen Suchanfragen jährlich zu bearbeiten. Das sind mindestens 64.000 Anfragen pro Sekunde. Es liegt also nah, dass Online Marketing zu einem großen Teil daraus besteht, sich einfach finden zu lassen. Auch dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber in den meisten Fällen stellt die eigene Website den ersten Kontaktpunkt dar. Die Inhalte auf der Website sollten so aufbereitet sein, dass die Suchmaschinen sie gut einordnen und interpretieren können. Bei diesem Vorgehen spricht man von Suchmaschinenoptimierung (kurz: SEO).

 

Wenn in Deiner Bibliothek zum Beispiel eine Lesung eines berühmten Autors stattfindet, solltest Du eine Seite dazu erstellen, die genau zu diesem Event informiert. Jemand, der nach dem Autor und Deinem Ort googelt, sollte dadurch auf die Website der Bibliothek gelangen. Ebenso sollten auch alle wichtigen Informationen zur Ausstattung, zu den Kosten und zum Medienangebot schnell zu finden sein.

 

Auch eventuelle Blogartikel, Videos oder andere Veröffentlichungen sollten immer suchmaschinenoptimiert veröffentlicht werden, um mögliche Kontaktpunkte zur Bibliothek herzustellen.

 

Wenn jemand nach Deiner Bibliothek sucht, kannst Du ihm weitere Informationen zur Verfügung stellen, indem Du die Bibliothek auch bei Google My Business einträgst. Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer und Bewertungen werden damit prominent dargestellt. So erreicht man zusätzliche Kundenzufriedenheit mit wenig Aufwand.

Mit dem Newsletter punkten

E-Mail-Marketing ist eine oft totgesagte, aber zum Trotz immer noch eine der effektivsten Maßnahmen im Online Marketing. Es gibt viele Möglichkeiten mit den Nutzern zu kommunizieren und im Gedächtnis zu bleiben, die simpelste ist das Verschicken von E-Mails. Du solltest dabei im regelmäßigen Turnus einen Newsletter an die eingetragenen Nutzer verschicken und Informationen liefern, Angebote vorstellen oder exklusive Aktionen weitergeben.

 

Die Anmeldung für den Newsletter kannst Du vollautomatisiert über ein Formular in die Website integrieren. Achte darauf, es dem Nutzer dabei so einfach wie möglich zu machen und nur das nötigste abzufragen. Oftmals reicht die E-Mail-Adresse. Sind die Leser mit dem Inhalt des Newsletters zufrieden, werden weitere Anmeldungen sicher bald folgen.

Das Potential der Sozialen Medien

Der größte Vorteil Sozialer Medien ist, dass Du potentielle Nutzer genau dort abholst, wo sie sich gerade befinden. Indem Du ihnen auf den beliebtesten Kanälen die Inhalte gibst, die sie sich wünschen, generierst Du zunächst virtuelle und im nächsten Schritt reele Fans.

 

Die Herausforderung dabei ist, wirklichen Mehrwert und Einzigartigkeit zu schaffen. Warum sollte jemand der Bibliothek folgen? Über das Konzept solltest Du Dir zunächst Gedanken machen. Doch vorsicht: Social Media kann zu einem ziemlichen Zeitfresser und einem Loch ohne Boden werden. Setze Dir für den Anfang zeitliche Limits, dokumentiere die Erfolge und passe den Zeitaufwand dementsprechend an.

Fazit

Online Marketing bietet Bibliotheken eine kostengünstige Möglichkeit, Kontaktpunkte zu potentiellen Nutzern herzustellen und im Gedächtnis zu bleiben. Ich weiß, dass es in der harten Realität oftmals an Zeit und Unterstützung für solche Maßnahmen fehlt. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass man mit dem richtigen Einsatz die Ziele der Bibliothek schneller erreicht und somit zu einer Sicherung des Stellenwertes der Bibliothek in der Gesellschaft beitragen kann. Bereits durch einige wenige, aber dafür sorgfältig vorbereitete Maßnahmen, lässt sich Online Marketing als wichtiger Part im Marketing Mix integrieren.

 

Wie ist Deine Meinung zu dem Thema? Ist Online Marketing in Deiner Bibliothek bereits fester Bestandteil? Welche Hürden siehst Du dabei? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Wer schreibt?

Daniela.

FaMI. Online Marketing Managerin. BWLerin. Texterin. Leidenschaftlicher Geek.
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